Es gibt ein Muster, das sich gerade wiederholt. Nur schneller und günstiger.
Die Firmen, die früher schon am Outsourcing gescheitert sind, scheitern heute an der KI. Der Grund ist in beiden Fällen identisch, und er hat nichts mit Technologie zu tun: Anforderungen werden nicht klar kommuniziert.
Wer früher "mach mir mal eine Oberfläche" an ein Offshore-Team geschickt und dafür Murks zurückbekommen hat, bekommt genau diesen Murks heute von der KI. In Sekunden statt in Wochen, zu einem Bruchteil der Kosten. Aber besser wird es dadurch nicht.
Murks bleibt Murks
Ohne Spezifikation der Prozesse, ohne dass sich vorher jemand ernsthaft über Abläufe, Datenhaltung und Business-Objekte Gedanken gemacht hat, bleibt jedes Projekt an der Oberfläche stecken. Die KI ändert daran nichts. Sie nimmt dir das Nachdenken nicht ab, sie beschleunigt nur das, was du ihr vorgibst. Gibst du ihr Unklarheit, bekommst du sehr effizient produzierte Unklarheit zurück.
Die Kehrseite ist genauso wahr: Wenn Outsourcing in einem Unternehmen bereits sauber funktioniert, dann sind mit hoher Wahrscheinlichkeit exakt die Voraussetzungen da, um auch mit KI vernünftig zu arbeiten. Klare Anforderungen, definierte Prozesse, jemand der weiss, was er eigentlich will. Diese Firmen steigern ihre Effizienz gerade drastisch. Die anderen produzieren schnelleren Murks.
Die Wertschöpfung war nie das Tippen
Hier liegt der Denkfehler, den viele gerade machen. Die Wertschöpfung in der Softwareentwicklung war nie das Tippen und Implementieren von Code.
Kluge Firmen haben sich das Preisgefälle zu anderen Regionen längst zunutze gemacht. COVID hat das noch einmal massiv verstärkt. Denn wenn das Entwicklerteam ohnehin nur noch remote arbeiten will, warum soll es dann in der Schweiz sitzen? Das kostet nur mehr Geld und ergibt keinen Sinn. Das Gegenargument kenne ich: "Wir sind dafür effizienter." Ich habe das in mehreren Projekten widerlegt. Es lässt sich getrost ins Land der Mythen und Legenden verbannen.
Das ideale Setup 2026: Downsizing statt Armada
Wie sieht dann das ideale Setup aus? Das Stichwort heisst Downsizing. Es braucht nicht mehr die Armada von Entwicklern. Es braucht Leute, die mitdenken und die kommunizieren können.
Ich mache das nicht an Rollen oder an Seniorität fest, sondern am Mindset. Ein kleines Team aus Leuten, die verstehen, was das Business braucht, und es präzise formulieren können, schlägt heute jede grosse Mannschaft, die nur Tickets abarbeitet.
Der Hebel ist dabei grösser, als die reine Kostenrechnung vermuten lässt. Kommunikation wird mit jeder zusätzlichen Person teurer, und zwar überproportional. Jede neue Schnittstelle, jedes zusätzliche Abstimmungsmeeting, jedes Missverständnis zwischen Beteiligten frisst Zeit und erzeugt Reibung. Wenige Leute, die jeweils mehr abdecken, reden schneller und präziser miteinander als eine grosse Gruppe, die sich ständig gegenseitig erklären muss, was eigentlich gemeint war. Downsizing senkt also nicht nur die Kosten, es macht die Kommunikation selbst effizienter.
Wie sieht dieser Kopf konkret aus? Für mich ist das ideale Teammitglied 2026 ein Requirements Engineer mit echtem Architekturverständnis. Jemand, der mit dem Business spricht und dessen Bedürfnisse in saubere Anforderungen übersetzt, und der zugleich weiss, wie sich diese Anforderungen technisch tragfähig strukturieren lassen. Genau diese Person schliesst die Lücke, an der die meisten Projekte scheitern: die Übersetzung zwischen dem, was das Business will, und dem, was das System können muss. Das Tippen übernimmt heute zu grossen Teilen die KI. Das Verständnis dafür, was gebaut werden soll und wie alles zusammenhängt, übernimmt sie nicht.
Fixpreis ist zurück. Storypoints sind es nicht.
Das alte Scrum-Debakel "es dauert so lange wie es dauert" ist endgültig vom Tisch.
Fixpreisprojekte kommen zurück. Die Dienstleister, die das Spiel verstanden haben, merken es selbst: Stundenbasierte Abrechnung ergibt bei extremer Effizienz keinen Sinn mehr. Und die Kunden profitieren von Planbarkeit statt von offenen Rechnungen.
Wenn dir heute jemand im Team noch keine sauberen Schätzungen liefert und sich stattdessen hinter diffusen Storypoints versteckt, dann hast du einen Streichkandidaten gefunden. Direkt neben dem Agile Coach, der sich seit Jahren ohne messbare Wirkung eine goldene Nase verdient.
Worum es eigentlich geht
KI ist kein Ersatz für Klarheit. Sie ist ein Verstärker. Sie macht gute Organisationen dramatisch schneller, und bei schlechten legt sie gnadenlos offen, dass nie jemand genau wusste, was eigentlich gebaut werden sollte.
Die Frage für 2026 ist deshalb nicht "welches Tool?". Die Frage ist: Habt ihr die Leute, die sagen können, was ihr wollt?