Du willst nur ein kleines Feature. Etwas, das wirklich nicht viel Arbeit sein kann. Du gibst es deinem agilen Team und bekommst als Schätzung zwei Sprints zurück.

Dann kommt der Moment, in dem du dir denkst: Ernsthaft? Was machen die da eigentlich den ganzen Tag? Für jede Kleinigkeit wollen die ein Vermögen. So ist das halt in der agilen Entwicklung, für jede noch so kleine Änderung braucht das Team eine Ewigkeit.

Die eigentliche Krux ist, dass es nicht am Team liegt, sondern an dem, was die Umsetzung alles verlangt: Abstimmung und Kommunikation.

Zähl die Linien

Schau dir das Titelbild an. Jede Linie ist ein Gesprächskanal zwischen zwei Menschen, und jeder Kanal kostet Zeit: abstimmen, nachfragen, warten.

Arbeitet einer allein, gibt es keine Linie, und alles geht easy und schnell. Bei drei Leuten sind es drei Linien, das geht immer noch einigermassen schnell. Bei fünf Leuten sind es zehn. Ein voll besetztes Scrum-Team mit sieben Leuten hat 21 Linien, und spätestens dann wird die Kommunikation zum Bottleneck.

Warum KI bei Scrum-Teams nicht ankommt

Das ist auch der Grund, warum KI bei Scrum-Teams nicht im vollen Umfang ankommt. Die Teams werden ein wenig schneller, aber nicht um Faktoren, wie das in modernen Startups der Fall ist. KI beschleunigt das Schreiben von Code, aber nicht die 21 Linien.

Nicht umsonst wird über das One-Person-Unicorn gesprochen, eine Firma mit einer Milliarde Bewertung und einem einzigen Menschen dahinter. Ob es eine solche Firma schon gibt, ist offen. Die Idee dahinter stimmt trotzdem: Wenn einer allein etwas von Anfang bis Ende umsetzt, fällt der ganze Kommunikationsoverhead weg, und die Stories werden wieder bezahlbar.

Mit KI musst du deshalb deine Prozesse umorganisieren, damit die volle Leistung auch ankommt.

So könnte ein KI-gestützter agiler Prozess aussehen

Eine Skizze in drei Punkten.

1. Kein Planning und kein Refinement mehr

Wer das Feature umsetzt, klärt die Anforderungen bilateral mit dem Product Owner und setzt es dann mit Hilfe der KI von Anfang bis Ende um.

2. Dailys ja, aber anders

Die drei gängigen Fragen sind überflüssig: Was habe ich gemacht, was mache ich heute, wo habe ich Probleme? Stattdessen sagt jeder: «Ich erweitere diese Schnittstelle, und das wirkt sich auf dies und das aus.» Wer gerade im selben Bereich arbeitet, stimmt sich danach bilateral ab.

Die 21 Linien verschwinden damit nicht. Sie werden aber nur noch benutzt, wenn zwei Leute tatsächlich am selben Ort arbeiten, und nicht mehr in jedem Meeting von allen gleichzeitig.

3. Review und Retro

Reviews finden bilateral mit dem PO statt, laufend und nicht erst am Sprintende. Den fixen Sprint gibt es nicht mehr. Das Team arbeitet nach Kanban und deployt kontinuierlich.

Retros braucht es nicht mehr, weil die Ineffizienzen bereits ausgemerzt sind. Stattdessen gibt es von Zeit zu Zeit Team-Events, damit das Wir-Gefühl nicht vollständig zum Erliegen kommt.

Ein-Personen-Teams

Am Ende sind es Ein-Personen-Teams nach dem Vorbild des One-Person-Unicorns. Der PO führt weiterhin das Backlog und sorgt dafür, dass jedes Teammitglied eine Aufgabe hat, die es mit seinem eigenen Wissen umsetzen kann, ohne vollständig von der KI abhängig zu sein.

Mit diesem Prozess werden Firmen wieder konkurrenzfähig, und der agile Prozess funktioniert endlich. Einen Agile Coach, dessen Arbeit darin besteht, einen kaputten Prozess zu rechtfertigen, braucht es dann nicht mehr. Auch keinen Scrum Master, denn die Teammitglieder sind erwachsen genug, sich selbst zu organisieren.

Was es mehr denn je braucht

Mehr denn je braucht es einen vernünftigen Architekten, der die Fäden zusammenhält, damit kein Wildwuchs entsteht. Dazu kommt ein gemeinsamer Knowledge Graph: ein Wissensspeicher, in dem jede getroffene Entscheidung festgehalten ist. So arbeiten die KIs der einzelnen Leute miteinander statt gegeneinander, und die Entscheidungen bleiben über Personen hinweg verfügbar.

Ich habe solche Prozesstransformationen schon mehrfach in agilen Teams durchgeführt. Wenn du Hilfe brauchst, um das volle Potenzial deines Teams zu entfesseln, buch unten einen Termin, und wir besprechen den Plan.