Ein zweitägiger Kurs zu KI-Agenten kostet bei einem Schweizer Weiterbildungsanbieter knapp 2000 Franken. Die Anthropic Academy bietet mit «Building with the Claude API» einen Kurs zu denselben Themen gratis an: Tool-Nutzung, RAG, Agenten und MCP, in 67 Lektionen, vom Hersteller des Modells selbst. Einen Trainer im Raum bekommst du dort nicht. Die Disziplin musst du selbst mitbringen.

Wissen war noch nie so leicht zu haben. Fast alle Lerninhalte zu KI sind frei verfügbar. Wer bereit ist, Zeit zu investieren und sich im Selbststudium weiterzubilden, braucht dafür kein Budget.

Geld ist keine Ausrede mehr

Das gilt für die Geschäftsleitung genauso wie für die Sachbearbeiterin, und für Leute aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Verhältnissen genauso wie für den Manager mit Weiterbildungsbudget. Die Ausrede, dass für KI-Weiterbildung kein Geld da ist, zählt nicht.

Bleibt die Zeit. Die Stunden am Tag sind für alle gleich, und wie viele davon in Netflix und TikTok verschwinden, entscheidet jeder selbst. Man muss den Hintern hochbekommen, den Feed ausmachen und etwas Sinnvolles tun.

Der Arbeitsmarkt sortiert bereits

Grosse Firmen trennen sich inzwischen von Leuten, die den Anschluss nicht schaffen. Accenture hat im September 2025 angekündigt, Mitarbeitende auf verkürztem Zeitplan zu entlassen, wenn eine Umschulung auf die benötigten KI-Fähigkeiten nicht machbar ist. CEO Julie Sweet dazu: «Those we cannot reskill will be exited.» (CNBC)

Bei Einstellungen ist KI zum Musskriterium geworden. Im Work Trend Index 2024 von Microsoft und LinkedIn, erhoben bei 31'000 Wissensarbeitenden in 31 Ländern, sagen 66 Prozent der Führungskräfte, dass sie niemanden ohne KI-Kenntnisse einstellen würden. Die Zahl stammt von einem Konzern, der KI verkauft, und beruht auf Selbstauskunft. An der Richtung ändert das nichts.

Das gilt auch ganz oben. Laut Handelsblatt steigt die Erwartung an KI-Kompetenz mit der Höhe des Postens, und Headhunter prüfen sie im Gespräch gezielt ab.

Zuerst der Einzelne, dann die Firma

Die Weiterbildung in KI liegt in erster Linie bei jedem selbst, und sie ist im eigenen Interesse. Erst in zweiter Linie ist es Sache des Arbeitgebers, das Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende weiterentwickeln.

Für dich als Führungskraft heisst das zweierlei. Die erste Regel gilt auch für dich: Wer ein Team durch diesen Wandel führen will, muss das Werkzeug selbst beherrschen. Und der zweite Teil ist deine Aufgabe. Was ein Mitarbeiter sich abends beibringt, bleibt zuerst bei ihm. Kündigt er, geht es mit ihm.

Lebenslanges Lernen müssen beide Seiten ernst nehmen, sonst verpassen beide den Zug. Wer stehen bleibt, wird unattraktiv, für den eigenen Arbeitgeber und für den Arbeitsmarkt insgesamt. Die lähmende Angst vor KI ist dabei der falsche Impuls.

Die Panik in den Schlagzeilen

Wer die Nachrichten über KI verfolgt, liest vor allem Panik: «KI wird uns alle vernichten», «Warnung vor KI-Gefahr». Zuletzt Bill Gates, zitiert mit «eine Milliarde Todesopfer».

Gesagt hat Gates Ende September 2026 in der NBC-Sendung «Meet the Press», KI sei mächtig genug, um Ereignisse auszulösen, die eine Milliarde Todesopfer fordern (NBC News). Gemeint hat er Menschen, die KI für Cyberangriffe oder Biowaffen missbrauchen. Einen Entwicklungsstopp lehnt er ab, er will Gesetze. In der Schlagzeile wird daraus eine KI, die eine Milliarde Menschen tötet.

Darin hat die Menschheit Übung. 1835 soll ein bayerisches Ärztekollegium vor der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth gewarnt haben, das Tempo mache Fahrgäste und Zuschauer hirnkrank. Die «Eisenbahnkrankheit» wird bis heute zitiert. Eisenbahnhistoriker haben das Gutachten nie gefunden. Die Geschichte ist so gut, dass niemand sie prüft, und nach demselben Muster funktionieren die Schlagzeilen über KI.

Es ist richtig, dass parallel zur Entwicklung jemand auf die Gefahren hinweist. Für Angestellte, Selbständige und Firmen ändert es nichts daran, dass KI-Kenntnisse in Wissensberufen heute vorausgesetzt werden.

Die Sicht der Firmen

In meinem Buch «Schnelle Leute, langsame Firma», das bald erscheint, gehe ich das Thema aus Sicht der Arbeitgeber an: wie Firmen mit dem strukturellen Wandel umgehen, damit aus dem Können Einzelner ein Vorteil für das ganze Unternehmen wird.

Wenn du in deinem Unternehmen vor solchen Fragen stehst und einen Sparringspartner brauchst, der deine Ideen challengt, buch unten einen Termin. Ich gebe dir eine Einschätzung zu deinen Ideen.