Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom ChatGPT-API-Key über die Absicherung bis zum ersten Bild direkt aus dem Claude Code Chat.

Jedes Titelbild unter meinen letzten Artikeln ist mit einem einzigen Befehl entstanden: /generate-image. Kein Designer, kein Stockfoto, kein Wechsel in den Browser. Ich tippe einen Prompt, und Sekunden später liegt ein fertiges PNG im richtigen Ordner und im Chat.

Das Schöne daran: Es ist kein Produkt, das man kauft, sondern ein Handgriff, den man sich selbst beibringt. Claude Code lässt sich über sogenannte Skills erweitern, kleine Bausteine, die dem Editor eine neue Fähigkeit geben. Hier ist es: eine fremde API bedienen, konkret den Bildgenerator von OpenAI. Wer den Weg einmal kennt, bindet danach fast jede API auf dieselbe Art an.

Hier ist die ganze Anleitung, von null. Plane zwanzig Minuten ein. Wie du die fertige Zip-Datei bekommst, steht am Schluss.

Was du am Ende hast

  • Einen Befehl /generate-image "dein prompt" direkt im Chat.

  • Flags für Quer-, Hoch- und Quadratformat.

  • Das Bild landet automatisch als PNG auf der Platte und erscheint im Chat.

  • Den OpenAI-Key sicher verstaut, mit einem Budget, das dich vor bösen Überraschungen schützt.

Voraussetzungen

  • Claude Code (CLI, Desktop oder IDE-Erweiterung).

  • Windows mit PowerShell (5.1 oder 7). Auf Mac oder Linux funktioniert dasselbe, dann portierst du das Script nach bash.

  • Eine Zahlungsart für den OpenAI-API-Account.

Wichtig vorab: ChatGPT ist nicht die API

Der häufigste Stolperstein zuerst. Dein ChatGPT-Abo auf chat.openai.com und die OpenAI-Plattform-API sind zwei getrennte Produkte mit getrennter Abrechnung. Das Abo zahlt keine API-Aufrufe. Für die Bildgenerierung brauchst du einen API-Account auf platform.openai.com mit eigener Zahlungsart oder Prepaid-Guthaben. Den Schlüssel nennen alle "ChatGPT-API-Key", korrekt heisst er OpenAI-API-Key.

Teil 1: Den OpenAI-API-Key anlegen

  1. Geh auf platform.openai.com und melde dich an oder registriere dich. Bei neuer Registrierung verlangt OpenAI eine E-Mail-Bestätigung und eine Handynummer zur SMS-Verifizierung, das ist die Missbrauchssperre.

  2. Hinterlege eine Zahlung: Settings, dann Billing, dann Add payment method. Ohne Guthaben oder Karte gibt die API nichts heraus. Wer das Risiko von Natur aus begrenzen will, kauft ein Prepaid-Guthaben statt nachträglicher Abrechnung.

  3. Lege ein eigenes Projekt an (empfohlen), zum Beispiel "claude-code-images". Ein eigenes Projekt bedeutet eigenes Budget, eigene Schlüssel, saubere Trennung. Das spart später Ärger.

  4. Öffne im linken Menü API keys (oder direkt platform.openai.com/api-keys) und klick Create new secret key. Gib ihm einen sprechenden Namen, etwa "claude-code", und häng ihn an dein Projekt.

  5. Kopiere den Schlüssel sofort. Er beginnt mit sk- und wird nur ein einziges Mal vollständig angezeigt. Schliesst du den Dialog, siehst du nur noch die letzten vier Zeichen. Verlierst du ihn, widerrufst du ihn und legst einen neuen an, kein Drama.

  6. Setz ein hartes Limit: Settings, dann Limits, und trag eine monatliche Obergrenze plus eine Benachrichtigungsschwelle ein. Das ist dein Sicherheitsnetz.

Eine Notiz zu den Kosten, damit du nicht im Dunkeln tappst: gpt-image-2 rechnet nach Bildgrösse und Qualität ab. Ein Titelbild kostet dich einstellige Centbeträge (Stand 2026, prüfe die aktuelle Preisseite). Das gesetzte Monatslimit deckelt alles Weitere.

Teil 2: Den Key absichern

Der Schlüssel ist ein Bearer-Token. Wer ihn hat, kann auf deine Rechnung Anfragen stellen. Behandle ihn wie eine Kreditkartennummer.

Die goldene Regel: Der Key gehört nie in den Code, nie in den Prompt, nie in ein Git-Repo. Er gehört in eine Umgebungsvariable. Unter Windows, dauerhaft, in einer Zeile:

setx OPENAI_API_KEY "sk-dein-key"

Kurz-Checkliste:

  • Dedizierter, projektgebundener Key, nicht dein Allzweck-Schlüssel.

  • Hartes Monatsbudget im Dashboard, das ist dein Schadensradius bei einem Leck.

  • Bei Verdacht im Dashboard widerrufen (ein Klick) und neu erzeugen, kostet nichts.

  • Nie loggen, nie in einen Screenshot, nie in einen Chat kopieren.

Teil 3: Die Skill installieren

Eine Skill in Claude Code ist ein kleiner Ordner mit zwei Dateien: SKILL.md (sagt Claude, wann der Befehl reagiert und was er tut) und generate-image.ps1 (schickt den Prompt an OpenAI und speichert das PNG). Installiert wird sie direkt in der Oberfläche, ohne Build und ohne Dateien von Hand zu verschieben:

  1. Hol dir die Zip-Datei.

  2. Öffne in Claude Code die Ansicht Customize, dann Skills.

  3. Klick oben in der Spalte Skills auf das Plus, dann auf Create skill, dann auf Upload a skill.

  4. Wähle die Zip-Datei aus. Die Skill erscheint danach unter Personal skills.

  5. Tippe /generate-image, und du bist startklar.

Zip rein, fertig. Kein Paketmanager, kein Neustart.

Teil 4: Der erste Aufruf

Tipp im Editor:

/generate-image eine goldene Waage in einem dunklen Raum, kinoreif, Bernsteinlicht

Standard ist Querformat. Mit Flags steuerst du das Seitenverhältnis:

  • --portrait für Hochformat

  • --square für Quadrat

  • ohne Flag Querformat

Das Bild landet als image-zeitstempel.png in deinem Ordner generated-images und erscheint direkt im Chat. Fertig.

Teil 5: Wenn es klemmt

  • "OPENAI_API_KEY is not set": Variable setzen und ein neues Terminal öffnen. Die häufigste Ursache.

  • "OpenAI request failed": Das Script gibt die Originalmeldung von OpenAI aus. Meist ist es fehlendes Guthaben, ein abgelaufener Key oder die Inhaltsrichtlinie. Ursache beheben, nicht blind wiederholen.

  • Schräge Seitenverhältnisse: gpt-image-2 kann nur drei Grössen, 1024x1024, 1536x1024 und 1024x1536. Für ein LinkedIn-Cover (1.91 zu 1) nimmst du Querformat und schneidest nach.

Wie die Skill unter der Haube funktioniert

Der Reiz liegt darin, wie wenig dahintersteckt. Die SKILL.md ist reiner Text: Sie beschreibt den Auslöser (/generate-image), die Flags und die Schritte, die Claude abarbeiten soll. Claude liest das wie eine Arbeitsanweisung.

Das Script ist keine hundert Zeilen. Es liest den Key aus der Umgebungsvariable, packt deinen Prompt in eine JSON-Anfrage, schickt sie an einen einzigen OpenAI-Endpunkt, nimmt das zurückgelieferte Bild entgegen und schreibt es als PNG auf die Platte. Den Key fasst es nur an einer einzigen Stelle an, im Authorization-Header, und gibt ihn nie aus.

Und genau das ist die Lektion, die über Bilder hinausgeht: Eine Skill ist eine Brücke zwischen deinem Editor und einer beliebigen API. Heute ist es der Bildgenerator. Mit demselben Muster bindest du morgen einen Wetterdienst, deine eigene Datenbank oder ein internes Werkzeug an. Der Editor hört auf, nur ein Texteditor zu sein, und wird zur Schaltzentrale.

Schluss

Vor einem Jahr hätte dieser Ablauf ein kleines Projekt gebraucht, ein SDK, etwas Boilerplate, einen Nachmittag. Heute sind es zwei Dateien und zwanzig Minuten, und der teuerste Teil ist nicht der Code, sondern die Disziplin beim Umgang mit dem Schlüssel.

Die fertige Zip-Datei (SKILL.md, Script und ein README mit der kompletten Key-Absicherung) kannst du hier herunterladen.